Katholische Universitätsgemeinde Basel

Tagesrückblick

Das wichtigste Gebet in der Spiritualität der Jesuiten

Der Heilige Ignatius von Loyola (1491-1565), der Gründer des Jesuitenordens, lädt uns ein, am Ende jedes Tages während 10-15 Minuten einen betenden Tagesrückblick zu machen. Dieses Gebet hat drei Ziele:

  • Es ist noch einmal ein intimer Moment des persönlichen Gebetes mit Gott
  • Ich würdige den vergangenen Tag, indem ich noch einmal auf die wichtigsten Momente schaue
  • Ich übe mich ein in eine Haltung der Dankbarkeit, in die Wahrnehmung meiner Erfahrungen und dadurch in die Unterscheidung der Geister

Ignatius schlägt dabei eine gewisse Form vor, das Examen, das wir Gebet der liebenden Aufmerksamkeit nennen (siehe unten).

Wichtiger aber als das Einhalten einer Form ist das Bemühen, es überhaupt zu versuchen.  GdlA2

Daher hier einige Alternativen und Kurzformen eines individuellen Tagesrückblickes:

  • Ich setze mich hin und suche das Highlight meines Tages, für das ich Gott danken will.

  • Ich frage mich mit den Emmaus-Jüngern: Wo brannte heute mein Herz in der Brust?
  • Ich nehme ein Heft oder Tagebuch und schreibe mir jeden Tag 3 Punkte auf, für die ich an diesem Tag besonders dankbar bin (Begegnungen, Erfahrungen, Einsichten etc.).

  • Ich schreibe ein Tagebuch, in dem ich meine Erfahrungen und Gefühle festhalte.

  • Merci   Dank sagen für das, was mir an diesem Tag geschenkt wurde
    Pardon   Was hat mir Mühe gemacht? Wofür möchte ich um Vergebung bitten?
    S’il te plait   Was erwartet mich morgen? Was erbitte ich von Gott für den neuen Tag?

 

GEBET DER LIEBENDEN AUFMERKSAMKEIT (pdf)

Mich einfinden

Ich versuche, ganz da zu sein, wahrzunehmen, wie es mir jetzt geht, still zu werden und mich mit dem, was mich bewegt, in die Gegenwart Gottes zu stellen, der in Jesus Christus für mich da ist.

Um Sein Licht bitten

dass ich diesen Tag mit dem, was heute war, anschauen kann, dass ich meine Wahrheit erkennen und zulassen kann und dass ich die Spuren Seiner Gegenwart in den Erfahrungen meines Tages suchen und finden kann.

Den Tag durchgehen

Mit liebender Aufmerksamkeit wende ich mich nun dem zu, was heute war: in mir, mit mir und durch mich.
Ich kann den Tag - Stunde für Stunde, Ort für Ort oder Begegnung für Begegnung - an mir vorbeiziehen lassen;
Wichtig: Nicht urteilen und beurteilen, sondern wahr-nehmen und wahr-sein-lassen.

Mich an Gott wenden

Mit dem was jetzt in mir lebendig ist, komme ich mit Gott ins Gespräch:

  • Für das, was ich als gut, schön, und gelungen erkenne, danke ich ihm; Ich suche vor allem nach dem Überraschenden, dem Unerwarteten, dem Geschenkten, den Momenten, in denen mein Herz gebrannt hat (vgl. Emmausjünger Lk 24.32)
  • Das, was schwierig war an diesem Tag, das Mühsame, das Verletzende, meine Sorgen, alles was mich traurig oder wütend gemacht hat, kann ich Gott sagen. Ich darf mich auch klagend an ihn wenden (Ps 22: mein Gott, warum hast Du mich verlassen?).
  • Für meine Grenzen und Schwächen, für mein Versagen und meine Schuld, die mir schmerzhaft bewusst wurden, bitte ich um Vergebung und Heilung.

Den Blick auf den nächsten Tag richten

Worauf freue ich mich? Was macht mir Angst oder Sorgen? Was für eine Hilfe erbitte ich mir von Gott für den neuen Tag?

Abschluss mit Vaterunser